Mit 53 Jahren nochmals Auszubildender

Mein Name ist Bernd Maier, ich bin 53 Jahre alt und bin in der Ausbildung zum examinierten Altenpfleger im ersten Lehrjahr. Ich freue mich auf alles, was da bis zum Examen (und danach!) auf mich zukommt.

Wie konnte es dazu kommen, dass ich mit 53 Auszubildender bin? 🙂

Mit Anfang 20 bin ich zum ersten Mal mit dem Thema “Pflege” in Berührung gekommen. Ich war damals auf der Suche nach einem Nebenjob und fing ohne jegliche Qualifikation und ohne wirklich zu wissen was ich da tue, für ein halbes Jahr bei einer privaten ambulanten Pflegestation in Steglitz an. Das war Ende der 80er Jahre so noch möglich, darauf gebracht hatte mich meine damalige Freundin, eine gelernte Krankenschwester.

Schon damals gab mir der Umgang mit den alten Menschen große innere Befriedigung, ich war aber noch anders beruflich orientiert und bin – erst einmal – einen anderen Weg gegangen. Mit Ende 40 musste ich mich nochmals – nach 13-jähriger Selbständigkeit mit einem kleinen Fuhrunternehmen – neu orientieren und erinnerte mich an das gute Gefühl, was mir die Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen damals als junger Mann gegeben hatte.

Gedacht, getan: Mit 47 Jahren absolvierte ich den Pflegebasiskurs zum Altenpflegehelfer. Von Anfang an hatte ich mir zum Ziel gesetzt, verschiedene Erfahrungen in unterschiedlichen Einrichtungen zu sammeln. So führte mich mein Weg über eine Demenz-WG zu einer gerontopsychiatrischen Tagespflegestätte und schließlich zu einer privaten ambulanten Pflegestation. Schon in der Tagesstätte verstärkte sich der Wunsch nach Erweiterung meines beruflichen Horizontes, auch motiviert durch einen Kollegen, der auch erst mit Mitte 40 die Ausbildung zum examinierten Altenpfleger angefangen hatte und mittlerweile kurz vor Eintritt ins Rentenalter stand. Mittlerweile hatte ich für mich auch festgestellt, dass die Pflege von Menschen in ihrem Zuhause meinen Interessen und Fähigkeiten am meisten entgegenkommt. Der relativ große private Träger, bei dem ich 2014 angestellt war, bildete auch aus. Man bot mir dort einen Ausbildungsplatz an, aber im regen Austausch mit den damals dort tätigen Azubis und durch eigene Beobachtung von deren Lernsituation wurde mir schnell klar, dass man dort während der Ausbildung als billige Arbeitskraft ausgenutzt wurde. (“Du kannst Dich ja in der Schule ausruhen, da kannst Du ruhig nachmittags noch einen Spätdienst dranhängen”). Auch wurden die Azubis nur selten mit Fachkräften oder gar der Praxisanleiterin mitgeschickt, sondern mussten hauptsächlich Pflegetouren fahren. Das war für mich nicht der richtige Fokus.

Ich sagte mir: Pflege und Ausbildung muß auch anders gehen!!!

Ich habe mich dann als Pflegehelfer u.a. bei der Caritas initiativ beworben und bin dann tatsächlich zu meiner großen Freude 3 Monate später eingestellt worden!

Und siehe da, Pflege geht tatsächlich auch anders! Der Klient steht auf einmal im Mittelpunkt des Interesses, und die Person sowie die Arbeit des Pflegenden erhält eine Wertschätzung, die ich bis dato so nicht kannte. Auf einmal war das Thema „Ausbildung“ für mich wieder aktuell! Zu dieser Zeit (im März 2017) hing ein „Werbeplakat“ für die Weiterbildung zum exam. Altenpfleger in unserer Sozialstation aus.  Nach erfolgreicher innerbetrieblicher Bewerbung bin ich jetzt seit dem 01.10.2017 und in meinem zarten Alter von 53 Jahren Azubi im ersten Lehrjahr! 🙂

 

Wer selbst ähnliche Pläne hat und den mutigen Schritt einer Ausbildung zur Altenpflegefachkraft wagen möchte, kann sich bei der Caritas Altenhilfe informieren und bewerben. Es sind noch Ausbildungsplätze für den Jahrgangsstart im Oktober 2018 frei!

 

 

Bernd Maier

About Bernd Maier

Mein Name ist Bernd Maier, ich bin 54 Jahre alt, seit sechs Jahren Pflegehelfer und seit zwei Jahren bei der Caritas. Am 1. Oktober `17 habe ich die Ausbildung zum exam. Altenpfleger im Schoße der Caritas begonnen. Ich möchte von meinen Erlebnissen auf diesem Weg berichten und gemachte Erfahrungen, positive wie negative, weitergeben, um Kolleginnen und Kollegen Möglichkeiten aufzuzeigen und sie evtl. vor Fehlern zu bewahren.

4 Kommentare

  1. Hallo, befinde mich auch, mit 52, im zweiten Ausbildungsjahr. Habe meine Entscheidung nicht bereut, nur leider ergeht es uns Auszubildenden in unserer stationären Einrichtung genauso wie euren Azubis bei dem privaten Träger….

    Es beruhigt zu wissen, das nicht alle Einrichtungen auf der gleichen Schiene fahren und lässt über einen Wechsel nachdenken.

    Smarties

    1. Liebe/r Smarties, die Pflege/Betreuung unserer Auszubildenden ist uns sehr wichtig. Neben den Ansprechpartnern in Schule und Einrichtung haben wir auch noch zentral eine Ansprechpartnerin, die eine neutrale Rolle einnehmen kann. Ich finde das sehr wichtig. Bei kleinen Ausbildungsbetrieben ist man – egal in welcher Branche – als Auszubildender schnell in einer Situation, in der man sich “wehrlos” fühlt. Das hoffen wir mit unserer Struktur zu vermeiden. Nicht jeder passt in jedes Team- wir sind groß genug, dass wir auch interne Wechsel anbieten können. Nicht immer lässt sich auf alle Bedürfnisse eingehen, aber wir geben uns sehr viel Mühe, dass unsere Azubis eine gute Ausbildung durchlaufen können und sind bereit hierzu immer wieder an uns selbst zu arbeiten. Sofern Sie über einen Wechsel nachdenken, können Sie sich bei Interesse gerne auch bei uns melden: ausbildung@caritas-altenhilfe.de
      Viele Grüße, Claudia Appelt von der Caritas Altenhilfe

  2. Danke für den Beitrag zur Ausbildung zum Altenpfleger. Ich finde es gut, dass sich mehr Menschen für diese Arbeit interessieren. Denn je mehr Altenpfleger es gibt, desto leichter und besser wird die Arbeit insgesamt.

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