Ich höre Dir zu. Ich besuche Dich.

Meditationsimpuls mit den Herz-Jesu-Priestern

Kirche Mater Dolorosa
Kirche Mater Dolorosa

Auf dem Innenhof unseres katholischen Schulzentrums Edith Stein befindet sich auch das Katharinenstift, also das Kloster der Herz-Jesu-Priester und die dazugehörige Kirche Mater Dolorosa. Zwischen Pater Ryszard Krupa und der Edith-Stein-Schule besteht eine Zusammenarbeit vor großen kirchlichen Feiertagen. Es wird ein kleiner Meditationsimpuls von 15 Minuten vor Schulbeginn angeboten, bei dessen Gestaltung sich Herz-Jesu-Priester, Lehrer und Schüler beteiligen.

Als Grundlage der Meditationsimpulse in der jetzigen Fastenzeit vor Ostern dienen uns sieben Aussagen von Bischof Joachim Wanke aus Erfurt anlässlich des Elisabethjahres 2006. Für ihn sind es sieben Antworten an einen Menschen auf die Frage, was es heißt barmherzig zu sein.

  1. Du gehörst dazu
  2. Ich höre dir zu
  3. Ich rede gut über dich
  4. Ich gehe ein Stück mit dir
  5. Ich teile mit dir
  6. Ich besuche dich
  7. Ich bete für dich

Am 25.02.2016 widmeten wir uns den Sätzen: Ich höre dir zu. Ich besuche dich.

Wir haben einen leicht bearbeiteten Text von Pater Andreas Pohl und die Bibelschriftstelle von Lukas 19,1-10 (Jesus im Haus des Zöllners Zachäus) ausgewählt.

Für mich beschreibt die Essenz der Texte am besten die Gegenüberstellung der Vorstellung eines perfekten Menschen mit reinem Herzen, reinem Tun und reinem Äußeren gegenüber uns leibhaftigen Menschen aus Fleisch und Blut und unseren Fehlern und Schwächen.

Als perfekte Menschen würden wir uns gegenseitig stets zuhören. Wir würden nicht nur hören, was unser Gegenüber sagt, sondern auch das empfangen, was ihn sorgt und was ihm Freude bereitet. Wir würden in vollem Umfang seine Bedürfnisse verstehen. Und wir würden ihn stetig besuchen. Wir würden nicht nur seine Wohnung betreten, sondern uns auch mit auf seinen Weg gesäumt von Lasten und Glückseligkeiten begeben. Wir würden in vollem Umfang Anteil nehmen an seiner Wirklichkeit.

Als Menschen aus Fleisch und Blut halten wir uns dagegen auch gerne mal die Ohren zu oder verbleiben in der Bequemlichkeit unserer eigenen vier Wände.

Das Wunder eines barmherzigen Weges ist für mich sicher nicht, dass wir uns alle plötzlich in perfekte Menschen verwandeln können. Dann würden wir schon als Engel über den Wolken schweben. Das Wunder eines barmherzigen Weges ist für mich, dass wir jeden Tag das kleine Gute bewältigen, das sich uns auf dem Weg im Alltag anbietet. Dass wir die Ohren spitzen und durchpusten, wenn sie schon in sich zusammen sinken und zur Verstopfung neigen. Dass wir dennoch auch mal die Kopfhörer aufsetzen, um uns selbst zuhören zu können. Und dass wir ab und zu den Umweg zu Anderen in Kauf nehmen, aber auch Zeit zu Hause verbringen, um es uns selbst schön einrichten zu können.

Man sagt, dass Diamanten nur unter großem Druck entstehen. Das kleine Gute, dass wir jeden Tag tun können, so fehlerhaft und schwach wir auf der anderen Seite sind, reicht aus, um das reine, kristallene Herz in uns zu formen. Trotz der manchmal mächtigen Anforderungen des Alltags, führen uns diese kleinen barmherzigen Handlungen auf einem guten Weg entlang — teils unter dicken, dunklen Wolken und teils unter dem wunderschönen wärmenden Sonnenschein.

Jana Wernitz

About Jana Wernitz

Ich bin Jahrgang 1977, waschechte Berlinerin, verheiratet, 1 Sohn. Mein erster Beruf ist Heilpraktikerin, seit 2006 arbeite ich Teilzeit in der Altenpflege und seit 2014 bin ich in Ausbildung zur staatlich examinierten Altenpflegerin.

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